Gosse 17/17a

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Wer seid ihr?

Wir sind die Gosse17/17a, in unmittelbarer Nachbarschaft von KBR10/12 und Gosse21 zu finden. Mit 2 Haushälften, 8 WG’s und über 30 Bewohnerinnen sind wir wohl das größte Projekt im Dachverband.

Als Gruppe verbindet uns der Wunsch nach einem Leben in Gemeinschaft als Alternative zur Vereinzelung. Entgegen individualisierter Lebenskonzepte wollen wir dabei auch Privates nicht außer Acht lassen, sondern aufeinander Rücksicht nehmen und uns im Alltag und bei Herausforderungen gegenseitig unterstützen. Alle Bewohnerinnen des Hauses sollen gleichberechtigt sein. Deshalb streben wir ein Zusammenleben in Selbstbestimmung und Selbstverwaltung an, das auf einer antikapitalistischen, feministischen und rassismuskritischen Grundhaltung basiert.

Innerhalb der Hausprojektgruppe, aber auch unter allen Freundinnen und Gästen des Hausprojekts ist uns Offenheit wichtig. Wir wünschen uns Heterogenität in der Gruppe und im Haus. Das bedeutet für uns, dass wir darauf achten wollen, dass Menschen mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen einen Zugang zu der von uns angestrebten Wohnform haben können. Um das zu ermöglichen, möchten wir uns aktiv dafür einsetzen.

Wie ist euer Projekt entstanden? Seit wann gibt es euch als selbstverwaltete Struktur und wem gehört euer Haus?

Das Haus wurde 1905 erbaut. 1974 zog die Betriebsärztliche Abteilung der neu gebauten Uniklinik aus, und das Gebäude diente teilweise als Archiv. Um 1979 stand der Abriss für eine Parkplatzzufahrt an, doch verschiedene Hochschulgruppen setzten sich beim Studentenwerk für den Erhalt ein.

Am 6. Mai 1981 erfolgte die erste autonome Besetzung Göttingens – gemeinsam mit einem Gebäude in der Weender Landstraße, um gegen den drohenden Abriss und für eine Sanierung zu demonstrieren. Nach einem massiven Polizeieinsatz wurde das Haus in der Weender Landstraße abgerissen, während Goßlerstraße 17/17a geräumt und bis Januar 1982 vom Studentenwerk kernsaniert wurde. Die danach fortgesetzte (Instand?-)Besetzung wurde von Uni und Studentenwerk gebilligt: Es wurden Mietverträge geschlossen und die Bewohnerinnen erhielten das Recht zur Selbstverwaltung. Ab Februar 1982 diente das Haus als Studierendenwohnhaus mit Kollektivmietverträgen. Sanierungsstau, fehlende Instandhaltungsmaßnahmen, Mieterhöhungen und die Einführung von Einzelmietverträgen führten zu Spannungen mit dem Studentenwerk.

Von 2008 bis 2017 waren Bewohnerinnen des Hauses in der Here-to-Stay-Kampagne und der Wohnrauminitiative verschiedener Wohnheime und Häuser in Göttingen organisiert, um für den Erhalt von bezahlbaren und selbstverwaltetem Wohnraum zu kämpfen. Im Frühjahr 2017 bildete sich unsere Hausprojektgruppe als Folge einer Auseinandersetzung mit dem Göttinger Studentenwerk um Mieterhöhungen. Am 4. Dezember 2018 wurde das Haus vom gemeinnützigen eingetragenen “Verein zur Förderung von Bildung, Kultur und studentischen Leben” schließlich dem Studentenwerk abgekauft.

Wir übernehmen kollektiv die Verantwortung für das Haus Goßlerstraße 17/17a und für alle Aufgaben und Arbeiten, die am und im Haus anfallen. Entgegen des Leistungsprinzips in der Mehrheitsgesellschaft wollen wir unsere Arbeits- und Aufgabenverteilung unseren Kapazitäten und Bedürfnissen entsprechend gestalten und ausüben. Dabei legen wir Wert auf die Zufriedenheit aller Beteiligten sowie auf einen gendersensiblen Umgang miteinander. Weil uns Nachhaltigkeit und Ökologie am Herzen liegen, wollen wir auch für Bau- und Renovierungsarbeiten weitestgehend ökologische Materialien verwenden.

Wie sind Leben, Alltag und politische Konsens bei euch organisiert?

Wir plenieren aller zwei Wochen. Wir treffen Entscheidungen im Konsens mit mindestens 7 anwesenden Personen. Wir organisieren uns darüber hinaus in verschiedenen Arbeitsgruppen um die Administrativen Aufgaben und die Selbstverwaltung des Hauses zu gewährleisten. Gruppenprozesse nehmen viel Zeit in Anspruch. Zwei Mal im Jahr machen wir ein Hauswochenende. Wir versuchen regelmäßig Barabende und Hauspartys zu veranstalten. Wir versuchen uns intern so weit möglich in mindestens drei Sprachen zu organisieren und Infos zugänglich zu machen. Mehr über unsere Vision des Zusammenlebens könnt ihr auch auf unserem Blog nachlesen.

Wie seid ihr zum Dachverband gekommen?

Bereits vor dem kollektiven Kauf der Gosse17 lag uns die Vernetzung mit anderen selbstverwalteten Projekten am Herzen, um gemeinsam wohnraumpolitische Strukturen voranzubringen. (Ehemalige) Bewohnerinnen des Hauses waren von Anfang an in der „Here-to-Stay”-Kampagne sowie in der Wohnrauminitiative engagiert, die bis zur Gründung eines Dachverbands als übergeordnete Vernetzungsplattform linker Initiativen in Göttingen fungierte. Mit dem Erwerb der Häuser rückten zudem Fragen des Schutzes vor Reprivatisierung und der langfristigen Absicherung in den Fokus. Unsere Vision von einem regionalen Mietshäusersyndikat gibt es schon sehr lange. Aus diesem Anlass beschlossen wir gemeinsam mit weiteren Häusern, einen Dachverband ins Leben zu rufen. Zusammenfassend lässt sich sagen: Wir gehören von Anfang an dazu und setzen uns bis heute gemeinsam dafür ein, eine dauerhaft linkspolitische Wohnstruktur in Göttingen zu bewahren.